Vereinsgeschichte

 

Vereinschronik

 

23 Thiersteiner trafen sich am 7. August 1861, um die „Statuten“ des neu zu gründenden Turnvereins in Thierstein auszuarbeiten und der Marktgemeinde bzw. dem Bezirksgericht vorzulegen.

Die ersten Jahre

 

Der Turnverein Thierstein ist der älteste Sportverein in unserer Gemeinde und mit einer der ältesten Turnvereine in der näheren Umgebung.

Aus der nun schon 150-jährigen, bewegten Geschichte sollen im Folgenden die herausragendsten Geschehnisse stichpunktartig geschildert werden.

 

1861 Angeregt durch Mitglieder des Turnverein Asch 1849 (Böhmen, CSSR), gründen 23 Thiersteiner Männer am Mittwoch, dem 7. August 1861, den Turnverein.

Er erhält danach durch mehrere Schreiben über die Marktsverwaltung an das kgl. Landgericht Thiersheim am 26. September 1861 seine behördliche Genehmigung.

Als Turnplatz wurde von Seiten der Marktgemeinde eine Wiese im Waldweg kostenlos überlassen.

 

Mit der Gründung des Turnvereins gründet sich gleichzeitig die Turnerfeuerwehr, bei der die Mitgliedschaft für jeden aktiven Turner laut § 18 der damaligen Turnordnung verpflichtend war. Die enge Verbindung des Turnvereins mit der Feuerwehr (FFW) hat sich bis in die heutige Zeit zum Wohle für beide Vereine erhalten.

 

1865. Der Stolz des TVT ist die nun schon über 120 Jahre alte Vereinsfahne, die am 3. September 1865 geweiht wurde. Patenverein war wieder der Turnverein Asch 1849 und Fahnenpatin war die 14-jährige Friederike Bauer. 1868 wurde der Nordoberfränkische Turngau gegründet. Unser Turnverein war maßgeblich an der Gründung beteiligt. Die Mitgliederzahl im Verein nahm langsam aber stetig zu; so konnten in den Jahren 1868/69 bereits 52 Mitglieder verzeichnet werden.

 

1882. Nach einem drastischen Rückgang in den Jahren 1882/83 auf nur 24 Mitglieder ging es aber bald wieder bergauf.

 

1886. Zu einem ersten Hoch in der Vereinsgeschichte kam es an Pfingsten, als der Verein sein 25-jähriges Bestehen feierte. Die Gemeinde stellte dazu den Schulgarten (heute: die Gärten der Anwesen Ferring, Kaiser, Mader, Zeitler, Lehmeier und Tröger) kostenlos zur Verfügung. Fahnenstangen, Streu und Büsche zur Ausschmückung des Festplatzes waren notwendig. 8 Fahnenbänder wurden gekauft und 500 Festabzeichen bestellt. Auf dem Festplatz durften die Kommunbrauer Rahn und Zeitler Bier ausschenken. Eine Holzhütte wurde vom TVT gebaut, damit sich die vielen Turner umziehen und ihre Kleidung aufbewahren konnten.

1887. Als Mittelpunkt im Vereinsjahr 1887/1888 ist das 6. Vereinsabturnen am 11. September 1887 anzusehen. Die Turnvereine aus Wunsiedel, Arzberg, Thiersheim, Hohenberg, Selb Stadt und Selb Bahnhof nahmen daran teil. Es war dies bestimmt eine Werbeveranstaltung für die deutsche Turnsache und nicht zuletzt auch für den hiesigen Turnverein, der in diesem Vereinsjahr auch seinen Mitgliederhöchststand, nämlich 59, verzeichnen konnte.

 

1888. Der Gauturntag 1888 des Nordoberfränkischen Turngaus wird in diesem Jahr am 26. und 27. August vom Turnverein Thierstein ausgerichtet. Die anreisenden Turner wurden mit Pferdefuhrwerken von den Bahnhöfen in Holenbrunn und Marktleuthen abgeholt. Wie viele aktive Turner daran teilnahmen, wurde nicht überliefert, aber fast 300 Personen zahlten Eintritt zu den Schau- und Turnwettkämpfen am Sonntagnachmittag.

1889. Da bislang nur solange es die Witterung erlaubte geturnt werden konnte, entschloss man sich im Verein, ab Februar 1889 im Saal des Gastwirts Küspert, das Winterturnen einzuführen.

 

till um die Turnerei. Jeglicher Turnbetrieb und selbst das Vereinsleben ruhten. Protokoll vom 2. August 1914:

II. Gegenwärtig des jetzigen Kriegszustandes wird von heute ab die Miete ...“ gestundet, bis sich wieder eine bessere Lage des Vereinslebens entwickelt.

Die Verwaltung wurde dem Ehrenvorstand Karl Bauer übertragen. Erst im Januar

 

1890. Als nächstes Ereignis sei an das 25-jährige Fahnenjubiläum erinnert, das am 10. August 1890 stattfand. Auftakt dazu war ein Marsch durch die Marktstraßen zum Turnplatz, wo ein Schauturnen gezeigt wurde. Ein weiterer wichtiger Punkt sollte erwähnt werden: Dem im Jahre 1890 in Hohenberg/Eger unter Vorsitz von Chr. Schumann, Arzberg, gegründeten Röslau-Egertal-Turngau ist auch sogleich der Turnverein Thierstein beigetreten. Und, wie im Folgenden zu sehen sein wird, war gerade der Name des Turnverein Thierstein mit dem Röslau-Egertal-Turngau bis zum gewaltsamen Ende 1934 aufs Engste verknüpft.

Uns allen ist bekannt und aus dem Leben der Gemeinde nicht mehr wegzudenken, das der Verein seit dem Dezember 1890 Theatervorstellungen mit der eigenen Theatergruppe aufführt.

 

Die erste Jahrhundertwende

 

1899. Der Turnverein Thierstein hatte wieder einmal die Ehre, in seinen Mauern alle im Röslau-Egertal-Turngau zusammengeschlossenen Vereine zu begrüßen. Die erste Gauturnfahrt führte am 6. August 1899 zur malerischen Burgruine.

 

1902. Der Wunsch, ein eigenes Turnerheim zu besitzen, wird vermutlich schon vor der Jahrhundertwende bestanden haben. Erstmals wird jedoch in einer Versammlung im November 1902 der Bau einer eigenen Turnhalle konkret angesprochen, doch aus finanziellen Gründen scheiterte dieser erste Versuch.

 

1906. Am Sonntag, den 7. Oktober 1906, fand im Schwanensaal eine kleine Jubelfeier statt. Anlass war die 45. Wiederkehr der Vereinsgründung.

 

1910/1911. In einer Sitzung im November 1910 wurde beschlossen, im kommenden Jahr das 50-jährige Bestehen festlich und im großen Stil zu begehen. Die Feierlichkeiten fanden vom 24. - 26. Juni 1911 statt.

Es wurde alles aufgeboten, um der Veranstaltung einen würdigen Rahmen zu geben. Der Turnplatz war für diese Großveranstaltung vermutlich zu klein, weshalb die Wettkämpfe auf einem Grundstück des Mitgliedes S. Wunderlich in der sogenannten „Hirtschwemm“ (heute: Haupt-, Markgrafen- u. Wiesenstraße) ausgetragen wurden.

 

1914 zählte der Verein immerhin 75 Mitglieder. Dann wurde es still um die Turnerei. Jeglicher Turnbetrieb und selbst das Vereinsleben ruhten.

Protokoll vom 02. August 1914: "Gegenwärtig des jetzigen Kriegszustandes wird von heute ab die Miete........gestundet, bis sich wieder eine bessere Lage des Vereinslebens entwickelt."

Die Verwaltung wurde dem Eherenvorstand Karl Bauer übertragen.

 

1919 übergibt dieser wieder die Leitung des Vereins an den Turnrat und an den Vorsitzenden Leupold. Noch war das Vereinsleben von der harten Kriegszeit stark belastet, als es galt, eine neue Bewährungsprobe zu bestehen.

Verschiedene Mitglieder stellten Ende Januar den Antrag, aus dem Turngau und aus der Deutschen Turnerschaft auszutreten. Nach Vertagung und Wiederholung des Antrages kam es dann in der Hauptversammlung am 3. Mai 1919 zur schriftlichen Abstimmung. Dabei konnte dieser Plan vereitelt werden, woraufhin der 1. Vorstand und der Kassier ihre Ämter niederlegten und mit weiteren Mitgliedern den Austritt erklärten.

Den Austritten folgte jedoch eine große Anzahl von Beitritten. Denn in gleicher Versammlung wurde als neuer 1. Vorstand Karl Zeitler gewählt, der bereits seit mehreren Jahren im Turnrat die Geschicke des Vereines mitbestimmte. Unter seiner Leitung begann erst die große Blütezeit des Turnvereines Thierstein. Karl Zeitler hatte den Verein mit 80 Mitgliedern übernommen; doch durch den ungeheuren Auftrieb, den das Turnen und überhaupt das Vereinsleben durch sein geschicktes Walten bekam, stieg die Mitgliederzahl innerhalb weniger Jahre auf die Rekordhöhe von 172, also mehr als das doppelte.

 

1921. Anlässlich der 60 Jahrfeier, die am 31. Juli 1921 stattfand, wurde von den Vereinsdamen ein Samtband gespendet, worauf in silberner Schrift die 7 Turner verewigt wurden, die im 1. Weltkrieg den Heldentod starben.

 

1922. Anfang des Jahres beschloss man, sich in das Vereinsregister eintragen zu lassen. Der Turnverein Höchstädt, TG Höchstädt, trat im März 1922 mit der Bitte an den Turnverein Thierstein heran, bei seiner diesjährigen Fahnenweihe die Patenschaft zu übernehmen, was von Seiten des Turnverein Thierstein gerne getan wurde.

 

Die Goldenen Zwanziger

 

1924. Während einer, wegen eines einzigen Anlasses, einberufenen, außerordentlichen Hauptversammlung am 16. März 1924, stimmten zwei Drittel der Mitglieder für den Bau einer eigenen Turnhalle. In diesem Jahr konnte sich auch eine Turnriege in Schwarzenhammer gleichsam als Filiale des Turnvereins Thierstein gründen, aus der später der Turnerbund Jahn Schwarzenhammer hervorging.

 

 

1925. Anlässlich des 60. Fahnenjubiläums unserer Vereinsfahne am 16. August 1925 erhielt die Vereinsjugend einen eigenen Wimpel, der während des Festprogrammes geweiht wurde. Während des Jahres wurden dann Baupläne erstellt und Bauzuschussgesuche zum Zweck der Erbauung einer eigenen Turnhalle an die Vereine der Deutschen Turnerschaft versandt. Ein Fonds zum Bau in Form einer Bausparkasse mit Anteilscheinen wurde eingerichtet. Im April

 

1926 wird ein Grundstück an der Hirtschwemme erworben. Leider zeigt sich nach kurzer Zeit, dass dieses Grundstück nicht geeignet ist. Noch in den letzten Tagen im Dezember konnte ein Grundstück des Spenglerschen Anwesens gekauft werden.

 

1927. In der Generalversammlung am 14. Mai legte der Initiator des Turnhallenbaus, Vereinsvorstand Karl Zeitler, die genehmigten Baupläne vor. Noch im gleichen Monat wurde mit dem Bau begonnen. In selbstloser Weise wurde oft bis tief in die Nacht hinein von den Mitgliedern gearbeitet und gemauert. Nur durch das rastlose Wirken vieler freiwilliger Helfer und durch Karl Zeitler war es möglich, am 3. September 1927 bereits das Hebefest zu feiern.

 

Am 10. Dezember wurde dann nach Fertigstellung der Baumaßnahmen die feierliche Weihe der Turnhalle durch den Ehrengauvorsitzenden Matthäus Wölfel aus Arzberg vorgenommen. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 47.000,- Reichsmark. Zum idealen Turnbetrieb fehlte nur noch ein Turnplatz.

 

1928 erfolgte die Haupteinweihung der Turnanlagen durch Gauvertreter Wagner aus Schönwald. Damit verbunden war das 22. Gauturnfest des Röslau-Egertal-Turngaues am 11. und 12. August, zu dem über 2000 Personen, darunter 550 aktive Wettkämpfer beim Turnverein Thierstein zu Gast waren. Als man im Oktober 1928 die Büste des Turnvaters Jahn in der Walhalla bei Regensburg aufstellte, nahmen 2 Vertreter unseres Vereins mit der Vereinsfahne daran teil.

 

1929. Nach einem Jahr gibt sich die bereits am 9. April 1928 gegründete Tanzgesellschaft eine eigene Satzung. Zweck dieser Gruppierung von jungen Männern ist es, das gesellige Leben unter der Jungturnerschaft zu heben und zu pflegen und als besondere Aufgabe hat sie sich die Durchführung der Tanzvergnügen in der Turnhalle gestellt. Nach nur 5 Jahren ist diese „Sparte“ im Frühjahr 1933 wieder eingegangen.

Die 60 Mitglieder des Veteranen- und Kriegervereins werden im Oktober 1929 als unterstützende Mitglieder in den Turnverein Thierstein aufgenommen.

 

1930. Anfang Juli verstirbt im gesegnetem Alter von 89 Jahren die Fahnenpatin Friederike verehelichte Pausch.

 

Auch das 70. Stiftungsfest am 15. und 16. August

1931 erhielt durch das Erscheinen zahlreicher Bezirks- und Gauvertreter aus Lichtenfels, Hof, Rehau und Schönwald ein besonderes Gepräge. Turner des TV Schönwald und der TS Selb 1887 wirkten durch Schauübungen auf der Bühne mit.

 

Zu diesem Fest wurden die besonderen Verdienste von Karl Zeitler durch den Bayerischen Turnerbund und durch den Verein endlich gewürdigt. Für seine geschickte Vereinsführung, kämpferisches Werben für die deutsche Turnsache und vor allem für sein unermüdliches Wirken beim Turnhallenbau wurde ihm vom Turnverein Thierstein die Ehrenmitgliedschaft verliehen. Vom Bayerischen Turnerbund wurde ihm sowie vier weiteren Mitgliedern das große Ehrenblatt überreicht. Ehrenvorstand Karl Bauer und Ehrenturnwart Jakob Pöhlmann erhielten den Ehrenbrief der Deutschen Turnerschaft.

1932. Nachdem über Jahre hinweg im „Radfahrverein Pfeil“ Thierstein, gegr. 1908, schon kein Vereinsleben mehr herrschte, entschloß sich die Vorstandschaft im Juni 1932, sich dem Turnverein Thierstein als Sportabteilung anzuschließen. Die Vorstandschaft, die fast ausnahmslos auch Mitglieder des Turnverein Thierstein waren, blieben als Funktionäre der Sparte in ihren Ämtern.

 

Dunkle Zeiten

 

1933. Als sich die Deutsche Turnerschaft und der Bayerische Turnerbund nach der Machtübernahme Adolf Hitlers 1933 dessen Regime zur Verfügung gestellt hatten, kam es sehr bald zu einer Gleichschaltung aller Vereine im N.S. Reichsbund für Leibesübungen. Der Turnverein Thierstein wurde dem Gau Bayern, Turnkreis Fränkische Ostmark angegliedert. Statt einer freiwilligen Körperertüchtigung wurden das Wehrturnen, zu dem jeder aktive Turner ab dem 17. Lebensjahr verpflichtet war, und das Pflichtturnen angeordnet.

In unserem Turnerheim fand am 3. Dezember 1933 der letzte Gauturntag des Röslau-Egertal-Turngaues statt, wobei es um dessen Auflösung ging. Konnte man zu Beginn des 3. Reiches noch von einem regen Vereinsleben sprechen, so erhielt der vereinseigene Turnbetrieb ab Mitte der dreißiger Jahre erhebliche Rückschläge.

 

1936. Die 75-Jahrfeier des Turnverein Thierstein wird in ganz kleinem Rahmen, nur mit einem Jubiläumsball, abgehalten. Ein zu diesem Anlass vom N.S. Reichsbund für Leibesübungen angebotenes Kreisgruppenjugendturnfest hier in Thierstein abzuhalten, wurde vom Turnverein Thierstein abgelehnt.

Unser Verein versuchte weiterhin, wenn auch stark eingeschränkt, sein gewohntes Vereinsleben weiterzuführen, um nach dem Kriegsausbruch 1939 vollends einzuschlafen. Wieder wurde es still um den Turnverein. Karl Zeitler, nun schon seit 20 Jahren 1. Vorstand, konnte ab Kriegsbeginn lediglich als Verwalter tätig sein. Zweidrittel der Mitglieder wurden zu den Waffen gerufen. 24 von ihnen kehrten nicht mehr zurück. Ihre Namen sind im Goldenen Buch des Turnverein Thierstein festgehalten. Jetzt folgten wohl die schwersten Jahre des Turnverein Thierstein.

 

Wiederaufbau

 

1945. Beim Einmarsch der Amerikaner, kurz vor Kriegsende, wurde neben zahlreichen Zerstörungen in Thierstein auch die Turnhalle durch Beschuss leicht beschädigt. Flüchtlinge und Heimatvertriebene fanden im Saal der Turnhalle eine erste Notunterkunft.

Am 15. August 1945 wird das gesamte Vereinsvermögen durch die Militärregierung beschlagnahmt und unter Vermögenskontrolle gestellt, der Turnverein Thierstein verboten und die Turnhalle an den neugegründeten Zentralverein Thierstein verpachtet. So schrieb Karl Zeitler ins Goldene Buch des Vereins, „Unsere mit großem Fleiß und Opfern schön erbaute Turnhalle soll nicht mehr unser Eigentum sein, sie soll von nun an den Namen »Centralhalle« führen.“

 

1946. Um die Ansprüche des ehemaligen Turnverein Thierstein gegenüber der Treuhänderschaft nicht völlig zu verlieren, wurde auf Vorschlag des BLSV im September 1946 der „Sportbund Thierstein“, eine Jugendabteilung für Turnen und Fußball, gegründet und durch die Militärregierung am 10. April 1947 lizenziert, mit Karl Rößler als 1. Vorstand und Reinhard Zeitler als Jugendleiter.

 

1947. Die offizielle Wiedergründung des Turnverein Thierstein erfolgte am 23. Mai 1947 durch Karl Rößler, der weiter als 1. Vorstand fungierte. Am 24. Juli 1947 wurde dann endlich der Turnverein Thierstein unter seinem alten Namen durch das Landratsamt Wunsiedel wieder zugelassen.

 

1948. Nochmals mussten die Alten kräftig ins Ruder greifen, die Vereinsführung übernahm am 14. April 1948 wieder Karl Zeitler.

Die erneute Eintragung in das Vereinsregister beim Amtsgericht Wunsiedel erfolgte am 18. März 1948 unter der alten Registernummer 17. Erst nach dem 15. September 1948 konnte der Turnverein Thierstein endlich wieder in die eigene Turnhalle einziehen.

 

Die entstandenen Schäden konnten im Laufe der Zeit im Großen und Ganzen behoben und die verloren gegangenen Einrichtungsgegenstände ersetzt oder wiederbeschafft werden. Es war hart, doch viel härter waren für den Verein die Verluste immaterieller Werte. Die Turnhalle war ja für jedermann zugänglich. Ungehindert konnte man an die alten Akten und Erinnerungstücke, Siegerurkunden und Fotografien, viele wurden vernichtet. Unersetzlich bleiben diese Dokumente!

 

Es geht wieder aufwärts

 

1950. Karl Zeitler blieb erster Vorsitzender bis zum Frühjahr 1950; 31 Jahre lang hatte er für seinen, unseren Turnverein Thierstein vorbildlich wertvollste Aufbauarbeit geleistet. 67-jährig wurde er zum Ehrenvorstand ernannt. Die Vereinsleitung übergab er in jüngere Hände.

Der Turnverein Thierstein wurde 1950 dem Turngau Fichtelgebirge angegliedert und hatte zu diesem Zeitpunkt 176 Mitglieder. Er besaß stattliche Turn- und Leichtathletikriegen, die sich an vielen Turnfesten und Wettkämpfen in der näheren und weiteren Umgebung beteiligten.

 

1951. Das erste große turnerische Nachkriegsereignis in Thierstein war das 90. Vereinsjubiläum am 14./15. Juli 1951 mit einem kreisoffenen Turn- und Sportfest, an dem eine stattliche Anzahl von Sportlern aus zahlreichen Vereinen teilnahm.

Im Winterhalbjahr 1951/52 wurden die Wirtschaftsräume in der Turnhalle umgebaut und eine Abortanlage angebaut. Mit einer kleinen Feier, zu der die örtlichen Vereine eingeladen waren, wurden im Februar

 

1952 diese neuen Räume in Betrieb genommen. Durch Abwanderung mehrerer guter Turner wurden die Riegen erheblich geschwächt, sodass nun einige magere Jahre in turnerischer Hinsicht folgten. Diese wurden neben einer verstärkten Jugendarbeit und durch die Gründung einer Tischtennisabteilung einigermaßen überbrückt.

Nachdem die 1946 gegründete Fußballabteilung nur wenige Jahre existierte, blieb auch ein weiterer Versuch, 1952 eine Fußballmannschaft aufzubauen, erfolglos.

 

1957 Manfred Kaiser wird 1. Vorstand. Er wird bis 1978 den Verein leiten.

 

1958 war der Turnverein Thierstein der Ausrichter der Gaumeisterschaft im Kunstgeräte-Turnen, die am 13. April stattfand. Eine eigene Vereinskapelle „Die Blech“ sorgte von nun an für Schwung und Unterhaltung; nicht nur in Thierstein, sondern auch bei anderen Vereinen hatte sie sich schnell einen Namen gemacht. Seit der Teilnahme Thiersteiner Turner beim Deutschen Turnfest 1958 in München und nicht zuletzt durch eine verstärkte Jugendarbeit war ein merklicher Auftrieb festzustellen.

1960. Nach einem Antrag im Februar 1960 wird von der Hauptversammlung am 3. April die Gründung einer Fußballabteilung für gut geheißen. Leider hatte man von Anfang an Probleme mit einem eigenen Spielfeld, so mussten für ein Jahr die Heimspiele auf dem Platz des FC Höchstädt ausgetragen werden, bis ein Gönner des Vereins eine Wiese an der Thiersheimer Straße pachtweise zur Verfügung stellte.

 

1961. Noch rechtzeitig vor dem großen Fest konnte ein weiterer Anbau an die Turnhalle, der heute als Geräteraum dient, fertiggestellt werden.

Zum bisher größten sportlichen Ereignis im Nachkriegs-Thierstein dürfte wohl die 100-Jahrfeier des Turnverein Thierstein am 12./13. August 1961 gerechnet werden. Dem eigentlichen Turnfest war am 5./6. August ein Pokalturnier der jungen Fußballsparte des Turnverein Thierstein vorausgegangen. Am Freitagabend fand die Eröffnung statt. Am Samstagabend folgt der große Festkommers mit vielen Persönlichkeiten aus der Politik und vor allem vom Sport. Am Gau- und bezirksoffenen Turnfest am folgenden Sonntag nahmen mehr als 350 Wettkämpfer aus 26 Vereinen in verschiedenen Geräte- und Leichtathletik- Wettkämpfen teil.

Als besondere Ehre dem Turnverein Thierstein gegenüber wurde der Besuch des damaligen Landesvorsitzenden des Bayerischen Turnerbundes Kurt Scherzer aus Fürth angesehen. Selbst der erkrankte Ehrenvorstand Karl Zeitler ließ es sich nicht nehmen, die imposantesten Phasen des großen Turnfestes mitzuerleben. Er hatte dafür vom Krankenhaus Selb für einige Stunden Urlaub bekommen. Am 8. Januar

 

1962 verstirbt „die gute Seele der Turner“ Ehrenvorstand Karl Zeitler.

Nach dem Erfolg des 100-jährigen Jubelfestes stand für die Vereinsleitung fest, dass es unbedingt notwendig sei, eine eigene Sportanlage mit 400m-Bahn, Fußballspielfeld, Weitsprunganlage usw. zu bauen. Leider scheiterte dieser Versuch nach über einem Jahr Verhandlungen aus finanziellen Gründen.

1963. Vorrang vor dieser Sportanlage hatte dann im Jahre 1963 die Errichtung neuer WC-Anlagen an der Turnhalle.

 

1965. Die 100-Jahrfeier der Fahnenweihe am 4. September 1965, verbunden mit dem verbunden mit dem 4. Gaualterstreffen am 5. September, wurde zu einer bunten Demonstration des Vereinslebens und des Turnens auch noch im fortgeschrittenen Alter.

 

1966. In der Vereinsausschusssitzung am 8. Juli 1966 wurde eine neue Sparte, die Abteilung „Schützen“, genehmigt.

 

1968. Im Juni fand ein Staffettenlauf durch das Sechsämterland statt, an dem sich 3 Läufer des Turnverein Thierstein beteiligten. Unsere Fußballmannschaft, die in den vergangenen Jahren meist das „Schlusslicht“ in der damaligen C-Klasse Wunsiedel war, löste sich am 21. Juni 1968 aus Mangel an aktiven Spielern und nicht zuletzt wegen der schlechten Sportplatzverhältnisse auf.

 

1971. Ein Wochenende Mitte Juni 1971 stand ganz im Zeichen des 110-jährigen Bestehens des Turnverein Thierstein. Zum Festkommers am 12. Juni 1971 fanden sich zahlreiche Gäste ein. Das anlässlich seines Jubiläums dem Turnverein Thierstein übertragene 10. Alterstreffen des Turngaus Fichtelgebirge am 13. Juni 1971 wurde trotz ungünstiger Witterung ein Erfolg (ältester Teilnehmer 81 Jahre).

1972. Die nun schon seit mehreren Jahren durchgeführte Gesamtrenovierung der Turnhalle konnte mit einer kleinen Feier am 22. April 1972 abgeschlossen werden. Trotz finanzieller Sorgen in der Nachkriegszeit ist es der Vereinsleitung und nicht zuletzt den Mitgliedern (Mitgliederstand 186) in den vergangenen Jahren gelungen, diese kostenträchtige Renovierung durchzuführen.

Am 9. Dezember 1972 fand der Gauturntag des Turngaus Fichtelgebirge in unserer Turnhalle statt.

 

1973. Als die größte Veranstaltung dieses Jahres, die unseren Verein wieder einmal weit über den Landkreis hinaus in Erinnerung brachte, dürfte der Bezirksschützentag angesehen werden.

 

1974. Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte konnte ein Mitgliederstand von über 200, nämlich 211 Mitglieder, erreicht werden.

 

1975. Im Januar 1975 gründete sich wieder eine Tischtennisabteilung, die bisher mit 3 Mannschaften am Punktspielbetrieb teilnahm und auch vordere Plätze ihrer einzelnen Klassen belegte.

In diesem Jahr erfolgte auch die Zusammenlegung des Turngaus Fichtelgebirge und des Turngaus Nordoberfranken zum Turngau Fichtelgebirge-Nordoberfranken.

 

1976. Ende des Jahres 1976 konnten die Schützen schon auf ihr 10-jähriges Bestehen zurückblicken. Mit einem Kameradschaftsschießen, an dem 5 weitere Schützenvereine teilnahmen, konnte am 27. November 1976 eine kleine Feier durchgeführt werden.

1978 wurde am 30. September das 50-jährige Bestehen der Turnhalle begangen. In der Festrede wurde das wechselhafte Auf und Ab dieses Gebäudes und damit des Vereins geschildert. Heinrich Bayer wird erster Vorstand, der mit glücklicher Hand die Geschicke des Turnvereins über 30 Jahre leiten wird.

1981. Zum 120. Vereinsjubiläum des Turnverein Thierstein konnte der Vorsitzende während des Festabends am 19. September 1981 zahlreiche Besucher sowie Abordnungen der örtlichen und benachbarten Vereine begrüßen. Verbunden mit diesem Jubiläum war der 1. Thiersteiner Volkslauf und Wandertag und ein Gartenfest.

 

1982 wurde mit einen weiteren Anbau an die Turnhalle begonnen. Der Erweiterungsbau umfasst Vereins- und Jugendzimmer, Waschräume, Duschen usw.

 

1985. Noch rechtzeitig zur 120. Wiederkehr der Fahnenweihe am 21. September konnte der Anbau fertiggestellt werden. Während des Festabends wurde die 120-jährige Geschichte einer der ältesten Vereinsfahnen im Turngau Fichtelgebirge-Nordoberfranken den Anwesenden zu Gehör gebracht und anschließend in den wohlverdienten Ruhestand versetzt. Denn am folgenden Sonntag konnte in der evang. Kirche in Thierstein die neue, wiederum von Frauen von Vereinsmitgliedern gestickte Fahne geweiht werden. Fahnenpatin war die 15-jährige Petra Schobert. Gerne übernahm auch die TC Höchstädt die Patenschaft.

 

Am Anfang des Jahres

1986 konnte der 1. Vorsitzende Heinrich Bayer den bisherigen Höchststand an Mitgliedern in der Vereinsgeschichte mit 286 Mitgliedern bekanntgeben. Dazu kommen noch ca. 60 Kinder. Das 125. Jubiläum, das am 12. und 19./20. Juli verbunden mit einem Gauturnfest mit fast 600 Sportlern, stattfand, war wieder ein Höhepunkt in der Vereinsgeschichte.

1987 Das bisher von der Firma Förster gepachtete 1175 m² große Grundstück am Turnhallengarten kann für ca. 21000 DM gekauft werden. Damit steht weiteren Erweiterungen nichts mehr im Wege. Der Verein hat mittlerweile über 280 Mitglieder.

 

1988 Durch den Wirtswechsel wurde in diesem jahr das Hauptaugenmerk auf eine Verschönerung der Gaststätte gelegt. So wurden die Stühle und Bänke neu gepolstert, ein schmiedeiserner Raumteiler eingebaut und über den Tresen ein neuer Überbau für Gläser und Pokale angebracht.

 

1989 Der ehemalige Vorstand Manfred Kaiser wird zum Ehrenvorstand ernannt. 6 Turner besuchten das Landesturnfest in Bamberg. Der Verein erhielt in einer außerordentlichen Mitgliederversmmlung auf Betreiben des BLSV eine neue Satzung. Die Planungen für eine Erneuerung des Saalbodens mit einer Kostenschätzung von 70 000.- DM gehen in die Endphase.

 

1990 Die Öffnung der Grenzen zur DDR ermöglicht es dem Turnverein, Kontakte mit Vereinen dort zu schließen. So trug die Tischtennisabteilung zwei Spiele mit Lok Reichenbach aus. Mit einem Besuch beim TV Hartmannsdorf am 21.4.1990 und dem Gegenbesuch an Pfingsten begann eine intensive Freundschaftsphase.

 

1991 Ein lang gehegter Wunsch des Vereins ist in Erfüllung gegangen. Zum einen konnten die alten Toilettenanlagen herausgerissen und erneuert werden, ab dem 15. Juni begannen die Bauarbeiten im Turnhallensaal. Nur durch die herausragende Leistung der Mitglieder konnte durch viele freiwillige Arbeitsstunden eine Finanzierungslücke von 16 000.- DM geschlossen werden. Sechs Landwirte transportierten rund 70 m³ ausgekoffertes Material ab. Basaltschotter, Styrodur, Stahlmatten und 23 m³ Beton bildeten den Untergrund für einen neuen Schwingboden für höchste sportliche Belastungen. Nach ca 1000 Arbeitsstunden konnte am Kirchweihsamstag der neue Boden eingeweiht werden.

 

1992 Der BLSV hält zum „Jahr der Senioren“ einen Lehrgang in der renovierten Halle ab. Der Verein zählt 292 Erwachsene und 50 Kinder und Jugendliche. Am Bezirksturnfest in Münchberg nahmen 12 Wettkämpfer teil.

1993 Um den neuen Saalboden bei Veranstaltungen zu schonen, wurde eine Abdeckung angeschafft. Die 650-Jahr-Feier der Ersterwähnung Thiersteins wurde mit zwei Festwägen bestückt. Außerdem übernahm der Turnverein die Bewirtung des Jubiläumsfestes. Am 6. Juni verstirbt Ehrenvorstand Manfred Kaiser.

 

1998 Nach zweijähriger Bauzeit ist der Turnverein in der Lage, zukünftigen Wirtsleuten eine nach modernen Gesichtspunkten ausgebaute Wohnung zur Verfügung zu stellen. Durch die Aufstockung der Wirtswohnung, Austausch der Fenster und Neueindeckung des Daches ist dem Verein wieder ein Sprung nach vorne gelungen. Auch der Parkplatz an der Wetsseite wurde fertiggestellt. Die Schützenabteilung konnte durch viele freiwillige Arbeitsstunden ihr neues Quartier im Dachboden beziehen. Mit einem „Sport-Schnuppertag“ wurde versucht, neue Mitglieder zu gewinnen.

 

1999 Mit viel Elan will der Turnverein ins neue Jahrtausend gehen. Die Außenansicht des Vereinsgebudes wurde vollkommen renoviert und gestrichen. Die Wirtswohnung wurde endgültig fertiggestellt. Mit der Kündigung des Wirtsehepaares Seidel steht dem Verein wieder ein leidiges Problem ins Haus.

 

Ins neue Jahrtausend

 

2001 Auf 140 Jahre Bestehen konnter der Turnverein in diesem Jahr zurückblicken. Mit einem Festkommers begannen die Feierlichkeiten am 13. Juli. Am 14. Juli wurden verschiedene sportliche Aktivitäten durchgeführt. Am Sonntag fand dann der Thiersteiner Volkslauf und Wandertag statt. Ein Ehrenabend am 29.9. rundete das Jahr ab. Viel Interesse fand eine von Reinhard Kaiser und Evi Dormann gestaltete Ausstellung zur Vereinsgeschichte.

 

2002 Der Mitgliederstand überspringt erstmalig die 300-Personengrenze. Vor der Übernahme des Lokals durch die Familie Lippold werden die Räulichkeiten gründlich renoviert, u.a. wird der Fußboden neu gefliest.

 

2003 Eine neue Baumaßnahme steht dem Verein ins Haus. In Eigenarbeit soll ein Außengeräteraum errichtet werden. Die Pläne dafür wurden eingereicht. 2004 Mit vielen Arbeitsstunden der Vereinsmitglieder konnte der neue Außengeräteraum errichtet und zum Gartenfest eingeweiht werden. Damit hat der Verein Lagerflächen geschaffen und den „Schandfleck Sägespanwagen“ beseitigen können. Eine neue Sparte „Nordic Walking“ konnte unter Führung von Horst Bayerlein gegründet werden.

2008 Nachdem sich der gesandete Biergarten nicht bewährt hatte, wurde der Boden in diesem Jahr mir Verbundsteinen versehen. In der Jahreshauptversammlung berichteten die Spartenleiter über eine erfreuliche Entwicklung der Beteiligung an den Übungsstunden, vor allem im Tischtennisbereich, beim Kinder- und beim Frauenturnen.

 

2010 Eine Ära geht zu Ende. Vorstand Heinrich Bayer und Kassier Dieter Bauer stellen sich in der Jahreshauptversammlung nicht mehr zur Wiederwahl. Beide haben mit sehr großem Erfolg die Geschicke des Vereins 32 Jahre lang geführt und viel erreicht. Durch eine Satzungsänderung wird es ermöglicht, dass der Posten des 1. Vorstands an drei junge Leute aufgeteilt werden kann. Stefan Schieweck, Christopher Michael und Gerald Bayer werden mit Kassier Werner Rausch den Verein weiter in die Zukunft führen. Damit beginnen auch die Vorbereitungen auf das 150-jährige Jubiläum 2011. Der Turngau Fichtelgebirge-Nordbayern hatte dem Turnverein bereits die Ausrichtung des Gausternwandertags am Himmelfahrtstag 2011 übertragen.

 

(Chronik bis 1986 mit freundlicher Genehmigung des AKHF Thierstein)